Perspektiven

Im Supermarkt der Ideen

Sich regelmäßig neu zu erfinden, ist für das Wachstum von Unternehmen wichtig. Doch Mittelständlern fehlen dafür häufig die internen Ressourcen. Eine Alternative können Beteiligungen oder Kooperationen mit jungen Unternehmen sein – auch dafür gibt es staatliche Unterstützung.

Innovationen

ie innovativen Ideen junger Unternehmer für sich nutzen – viele Große tun das bereits. Die Deutsche Telekom etwa betreibt seit fünf Jahren den „Hubraum“, einen Inkubator (= Brutkasten) für Start-ups, in dem neue Ideen ausgebrütet und möglichst schnell zur Marktreife entwickelt werden sollen. Die Deutsche Börse bietet in ihrem Fintech-Hub jungen Finanzfirmen 60 Arbeitsplätze mit allem Drum und Dran inklusive Frankfurter Skyline-Blick. Und auch die Postbank setzt bei der Entwicklung neuer, digitaler Bankdienstleistungen auf die Start-up-Szene. Sie unterstützt dafür junge Unternehmen auf vielfältige Weise (siehe Kasten unten).

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So engagiert sich die Postbank für junge Unternehmen

Ein Gewinn für beide Seiten

Schnell zu sein, innovationsfreudig und kreativ – darin sind junge Unternehmen häufig besser als etablierte Konzerne mit ihren hierarchischen Strukturen. Was könnte für Letztere also näherliegen, als sich in der Start-up-Szene oder an Universitäten und Forschungseinrichtungen nach geeigneten Partnern umzusehen? 92 Prozent der vom IT-Dienstleister Cognizant, dem Analyseunternehmen Lünendonk sowie dem Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschaftsinformatik der TU Darmstadt Prof. Dr. Peter Buxmann Anfang 2017 für eine Trendstudie zur digitalen Transformation befragten Unternehmen entwickeln ihre Innovationen zwar innerhalb der eigenen Unternehmensorganisation. 98 Prozent setzen jedoch unter dem Stichwort „Open Innovation“ auch auf die Kooperationen mit Partnern, um Innovationen zu entwickeln und auf ihre Marktreife vorzubereiten. „Gerade bei Themen, die fern vom bisherigen Geschäftsmodell sind, öffnen sich Unternehmen. Anders haben sie auch keine Chance, an Kreativität und neuen Ideen zu kommen“, sagt Mario Zillmann, Partner bei Lünendonk.

 

Mittelstand noch zögerlich

Das Thema Innovationen steht aber nicht nur bei den Großen ganz oben auf der Agenda, die dafür zumeist eigene Forschungs- und Entwicklungsabteilungen (F&E) unterhalten. Auch viele Mittelständler müssen sich ständig neu erfinden, um im harten globalen Wettbewerb zu bestehen – und das zumeist ganz ohne eigene F&E-Abteilung. Umso mehr bieten sich hier Kooperationen, Beteiligungen oder Zukäufe an. Profitieren können davon beide Seiten: Der Mittelständler erhält einen Innovationsvorsprung und das Start-up die Chance, seine Ideen schneller zur Marktreife zu bringen.

 

Mancher Mittelständler tut sich mit diesem Gedanken allerdings noch eher schwer: Nur 37 Prozent aller kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) haben schon einmal mit einem Start-up zusammengearbeitet, hat das RKW Rationalisierungs- und Innovationszentrum der Deutschen Wirtschaft e. V. jüngst bei einer Befragung von 200 mittelständischen Unternehmen herausgefunden.

 

Traditionsbetrieb mit Start-up-Power

Erfahren in der Zusammenarbeit mit externem Innovationsinput ist die Hamburger Fehrmann Metallverarbeitung GmbH. Henning Fehrmann, der den Gießereibetrieb in fünfter Generation leitet, weiß schon lange, dass er ohne Innovationen nicht am Markt bestehen kann. Die 1895 gegründete Firma stellt druckdichte Fenster für Gebäude und Schiffe her und ist damit ein sogenannter Hidden Champion („geheimer Weltmarktführer“). Fehrmann belieferte schon den Reeder-Milliardär Onassis mit Fenstern für seine Yachten, und die elliptischen Fenster der Hamburger Elbphilharmonie wurden ebenfalls bei Fehrmann hergestellt. „Wir erhöhen ständig unsere Innovationsgeschwindigkeit“, sagt der Firmenchef. Seit einigen Jahren kooperiert das Unternehmen mit der Universität Hamburg. Derzeit arbeitet man gemeinsam daran, Fenster mit sogenannter Augmented-Reality-Technologie zu entwickeln: Beim Hindurchschauen werden dem Steuermann alle wichtigen Navigationsdaten live hineingespiegelt.

 

Ein grundsätzliches Problem der Unternehmen sei es, sich neben dem Tagesgeschäft kontinuierlich mit neuen Ideen zu beschäftigen, selbst wenn das Know-how dafür im Unternehmen vorhanden ist, so Fehrmann. Dafür schaut er auch mal über den Tellerrand hinweg: Auf einem Netzwerkevent der privaten Initiative Hamburg Startups lernte er die Gründer des Start-ups Nüwiel kennen und betätigt sich seitdem als ihr Mentor. Die jungen Unternehmer wollen mit einem intelligenten, elektrobetriebenen Lastenträger dazu beitragen, Lärm, Staus und Luftverschmutzung zu verringern. Bei geschäftlichen Entscheidungen zogen die Gründer ihren erfahrenen Partner bereits zurate. Aber auch der Hidden Champion aus der Elbmetropole kann von seinen Mentees profitieren, zum Beispiel durch neue Impulse beim Marketing.

 

Fördermittel für Start-ups und Käufer

Die Kooperation mit öffentlichen Einrichtungen ist eine Möglichkeit zur Zusammenarbeit; eine andere ist, sich am potenziellen Ideenlieferanten zu beteiligen oder diesen sogar zu kaufen. Dafür gibt es sogar staatliche Fördermittel.

  • Auf diese Förderung können Mittelständler setzen

    Mit dem Förderprogramm „INVEST – Zuschuss für Wagniskapital“ hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie 2013 eigens ein Förderprogramm aufgelegt, um Anreize für Investoren zu schaffen, sich an jungen innovativen Unternehmen zu beteiligen. Im Rahmen des überarbeiteten Programms „INVEST 2.0“ wurden die Förderbedingungen mit Beginn dieses Jahres erweitert. Der maximale Zuschuss pro Jahr und Investor für Beteiligungen wurde auf 100.000 Euro verdoppelt. Die erforderliche Mindestbeteiligungssumme beträgt 10.000 Euro. Neu ist ebenfalls, dass der Anteilserwerb jetzt auch über ein zuvor gewährtes Wandeldarlehen erfolgen kann.

     

    Das Business Angels Netzwerk Deutschland e.V. (BAND) listet auf seiner Website sowohl für Investoren als auch für Start-ups diverse Kontaktadressen auf, die es beteiligungswilligen Unternehmen und Start-ups ermöglichen, miteinander in Kontakt zu treten.

     

    Zuschüsse für Forschungs- und Entwicklungsprojekte gibt es vom BMWi zudem im Rahmen des Zentralen Innovationsprogramms Mittelstand, kurz ZIM. Wichtig für die Zusage einer Förderung sind jeweils der Innovationsgehalt sowie gute Marktverwertungschancen der Projekte.

     

Dass sich die Zusammenarbeit mit Start-ups und anderen externen Partnern lohnt, kann nicht nur Metallverarbeiter Fehrmann bestätigen: 95 Prozent aller mittelständischen Unternehmen, die bereits auf externes Know-how gesetzt haben, würden es sofort wieder tun.

  • Bildnachweise

    Aufmacher-Video: iStockphoto (cgtoolbox)

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