Perspektiven

Innovationen

Mit Smart Living neue Märkte erobern

„Smart Living“ ist in aller Munde, aber längst noch nicht in jedermanns Zuhause. Eine gleichnamige Initiative von deutschen Unternehmen und Verbänden will das nun ändern. Wir stellen deren Ziele vor, zeigen Chancen für den Mittelstand auf und erklären, warum verständliche Kundenkommunikation für den Markterfolg von Smart Living besonders wichtig ist.

ie wieder den Schlüssel vergessen. Immer in wohltemperierten Räumen sitzen. Und auch unterwegs sicher sein, dass der Herd zu Hause auch tatsächlich ausgeschaltet ist. All das sind Versprechen, die das „Smart Home“ – das intelligente Zuhause – bereits heute erfüllt. Nun ist die Fernsteuerung von Heizungen, Türschlössern oder Kaffeemaschinen zwar praktisch, jedoch nicht wirklich revolutionär. Bahnbrechende Entwicklungen für das Smart Living könnte jetzt allerdings das sogenannte „Internet der Dinge“ bringen. Denn dank intelligenter Vernetzung verschiedenster Geräte und Sensoren sollen unsere vier Wände künftig nicht mehr nur von außen über das Netz steuerbar sein, sondern aus unserem Verhalten und unseren Vorlieben lernen und sich automatisch auf unsere Bedürfnisse einstellen. Hierzu bedarf es umfassender digitaler Kommunikation zwischen allen Komponenten sowie einer künstlichen Intelligenz, die alle gesammelten Informationen bündelt, auswertet und sich bestenfalls sogar selbst programmiert – ein gigantischer Zukunftsmarkt mit hervorragenden Chancen nicht zuletzt für deutsche Unternehmen.

 

Ein deutscher Player, der bereits an dieser Vision arbeitet, ist die devolo AG. Der Aachener Mittelständler entwickelt quasi Smart-Home-Lösungen zum Selbermachen. Einfache Wenn/Dann-Schaltungen lassen dabei einzelne Komponenten intelligent miteinander interagieren. So schaltet beispielsweise der Bewegungsmelder im Flur nicht nur das Licht ein, er verschickt auch eine Alarm-SMS, wenn in Abwesenheit der Bewohner eine Bewegung im Haus registriert wird. Zur Vernetzung seiner Komponenten setzt devolo auf den weltweit größten kabellosen Smart-Home-Standard „Z-Wave“; die Fernsteuerung erfolgt ganz webbasiert über eine App. Einfache Handhabung und Skalierbarkeit des Home-Control-Systems brachten dem Unternehmen jüngst eine Auszeichnung durch das Technikportal Chip.de als beliebtester Hersteller im Bereich „Smart Home“ ein.

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Connected Living: Was heute schon geht und was morgen möglich ist

In dieser Infografik sehen Sie, welche Funktionen Smart Homes heute bereits bieten (blau markiert) und welche Innovationen Ihnen morgen buchstäblich ins Haus stehen können (gelb markiert).

Zukunftsmotor Smart Home

Wie groß der Markt für die Smart-Home-Technologien tatsächlich ist, lässt sich nur schwer beziffern, da es keine einheitliche Definition dafür gibt. Eines aber ist allen Prognosen gemein: Der Absatz wird sich in den nächsten Jahren vervielfachen. Laut dem Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) könnte sich Deutschland zum größten Markt für Smart-Home-Services in Europa entwickeln. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) zeigt sich ähnlich zuversichtlich: Nach dessen Schätzungen wird der Smart-Home-bezogene Umsatz in Deutschland in den nächsten Jahren kontinuierlich steigen und 2025 bei rund 19 Milliarden Euro im Jahr liegen. Den Wertschöpfungsanteil deutscher Akteure schätzt das BMWi dabei auf etwa 60 Prozent. Und auch international bietet der Markt gewaltige Chancen. So gehen US-Marktforschungsunternehmen davon aus, dass die Zahl der vernetzten Haushalte bis zum Jahr 2020 weltweit von derzeit etwa 150 Millionen auf 700 Millionen zunehmen wird.

 

„Smart Living“ – die Initiative für den deutschen Mittelstand

Deutschland zu einem internationalen Leitmarkt für Smart-Living-Anwendungen zu entwickeln, hat sich die im März 2017 von Verbänden und Unternehmen ins Leben gerufene Wirtschaftsinitiative „Smart Living“ zum Ziel gesetzt. „Wir müssen schnell gemeinsam die richtigen Voraussetzungen schaffen, damit Deutschland angesichts der hohen Marktdynamik eine internationale Spitzenposition einnehmen kann“, beschreibt Dr. Thomas Becks vom federführenden Technologieverband VDE den Auftrag der Initiative. In den kommenden Jahren wollen die Mitglieder eng bei der Entwicklung von Technologien, Plattformen, Ökosystemen und weltweiten Smart-Living-Aktivitäten zusammenarbeiten, um Ordnung ins Dickicht der Smart-Home-Industrie zu bringen.

 

Verständliche Kommunikation in Richtung Endkunde

Damit sich Deutschland zum Leitmarkt für Smart Living entwickeln kann, bedarf es laut den Initiatoren der Smart-Living-Initiative neben der Verzahnung von Forschung, Entwicklung und Produktion auch einer transparenten Kommunikation gegenüber den Verbrauchern. Neutrale und vertrauensbildende Prüfstellen mit internationalem Renommee, wie beispielsweise der TÜV, sollen dabei helfen.

 

Noch wichtiger ist der Initiative zufolge die Klärung von Fachbegriffen im Zusammenhang mit dem „Smart Home“. Zu unterscheiden sind dabei vor allem zwei Angebotsausrichtungen: Systeme und Plattformen. Unter „Smart-Home-Systemen“ versteht man Lösungen, bei denen sich Hersteller verschiedener Produkte auf einen gemeinsamen Kommunikationsstandard geeinigt haben und ihre Erzeugnisse unter diesem Standard anbieten. Produkte eines Standards sind in der Regel nicht mit anderen Systemen kompatibel. Hiervon zu unterscheiden sind sogenannte Plattform-Lösungen, welche die Interoperabilität von Anwendungen verschiedener Smart-Home-Systeme über einen gemeinsamen Datenaustausch ermöglichen. Solche Plattformen sind häufig als Open Source konzipiert und ermöglichen somit die freie Entwicklung von Komponenten.

Populäre Smart-Home-Lösungen aus Deutschland im Video

Herausforderungen und Strategien für den Mittelstand

61 Prozent aller Bundesbürger gaben bei einer aktuellen Bitkom-Befragung an, schon einmal etwas über die Begriffe Smart Home oder Heimvernetzung gehört zu haben. Davon kann aber nur jeder Zweite
(53 Prozent) beschreiben, was damit gemeint ist. Das legt einen Nachholbedarf bei der Produktkommunikation nahe. Verbraucher wissen häufig nicht, wie sie Smart-Living-Angebote für sich nutzen können. Wer sich als Hersteller in diese besondere Kundensituation hineinversetzt, kann frühzeitig Anteile im Wachstumsmarkt erobern. Folgende Punkte gilt es bei der Kundenansprache zu beachten:

 

  1. Preisrahmen – Den Kunden fehlt häufig eine Vorstellung zu den Gesamtkosten von Smart-Home-Lösungen. Paketpreise können hier eine Orientierung bieten.
  2. Unbekannte Standards – Kommunizieren Sie die technische Basis Ihrer Produkte und weisen ggf. auf Schnittstellen zu anderen Standards hin.
  3. Vertrauen – Lassen Sie Ihre Produkte von neutralen Stellen zertifizieren und nehmen Sie diese Trust-Elemente in Ihre Markenkommunikation auf.
  4. Datenschutzbedenken – Neben der korrekten Verarbeitung und Speicherung von personenbezogenen Daten ist vor allem der gesicherte Schutz vor ungewünschtem Zugriff Dritter ein wichtiges Verkaufsargument.
  5. Interoperabilität – Kommunizieren Sie sowohl die Skalierbarkeit Ihrer Lösungen als auch die Kompatibilität mit gängigen Plattformen.

 

Nicht nur Software- und Hardwareproduzenten können übrigens vom Wachstumsmarkt „Smart Home“ profitieren. Auch Hersteller von Haushalts- und Gartengeräten sind mittelfristig gut beraten, sich mit der Konnektivität ihrer Produkte auseinanderzusetzen. Zudem können Handwerksbetriebe (besonders im Bereich Elektroinstallation) sowie Baufirmen durch Know-how bei der Gebäudeautomatisierung neue Aufträge generieren und ihre Unternehmen zukunftssicher aufstellen. Das BMWi hat folgende fünf Strategien für Markteintritte im Bereich „Smart Home“ identifiziert:

  • Glossar

    Connected Home: Ein verwandter Begriff zu „Smart Home“, der seinen Schwerpunkt auf die Vernetzung bzw. Kommunikation einzelner Komponenten setzt.

     

    Internet of Things (kurz: IoT): Beschreibt die Entwicklung smarter Systeme bis hin zur autonomen künstlichen Intelligenz, die den Menschen großteils unbemerkt bei der Ausführung seiner Tätigkeiten unterstützt.

     

    Interoperabilität: Bezeichnet die Fähigkeit zur Zusammenarbeit von verschiedenen Systemen und/oder Devices durch übergreifende Kommunikationsstandards.

     

    Plattform: Plattform-Lösungen ermöglichen die Zusammenarbeit von Anwendungen unterschiedlicher Smart-Home-Systeme über einen gemeinsamen Datenaustausch.

     

    Smart Home: Bezeichnet einen Unterbereich der Gebäudeautomatisierung, der sich auf Wohneinheiten bezieht. Smart Homes sind informations- und sensortechnisch aufgerüstete, in sich selbst und nach außen hin vernetzte Zuhause.

     

    Smart Living: Ein verwandter Begriff zu „Smart Home“, der häufig synonym verwendet wird. Mitunter wird „Smart Living“ auch für die Vernetzung in anderen Lebensbereichen wie Mobilität, Arbeit und Gesundheit verwendet.

     

    System: Ein Smart-Home-System bezeichnet einen Ansatz, bei dem sich Hersteller unterschiedlicher Gewerke auf einen Standard verständigen und ihre Produkte unter diesem Kommunikationsstandard am Markt anbieten.

     

  • Bildnachweise

    Titelvideo: Mit freundlicher Genehmigung der devolo AG, Schnitt: HMC; Infografik: HMC

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