Perspektiven

Kein leichtes Erbe

Einen Nachfolger aus dem Familienkreis einzusetzen, ist für viele Senior-Unternehmer das Ideal. Aber auch diese Form der Nachfolgeregelung bietet manche Herausforderung. Zum einen, den oder die Juniorchef(in) fit für die Übernahme zu machen. Und zum anderen, die Übergabe steuerlich und rechtlich optimal zu gestalten. Wie das gelingt, lesen Sie in Teil 2 unserer Serie.

Serie Unternehmensnachfolge – Teil 2

och hat der Endvierziger Stefan Hipp die Führung des gleichnamigen Babykostherstellers nicht übernommen. Doch in der Fernsehwerbung ist er seit Jahren an der Seite seines Vaters Claus (78) zu sehen. Damit signalisiert der Seniorchef schon lange, wer später einmal an der Spitze des Familienunternehmens stehen soll. Und seine Entscheidung stößt allem Anschein nach auf Gegenliebe: Dem passionierten Biolandwirt Stefan Hipp, der erst eine Lehre machte und dann Landwirtschaft studierte, war nach eigenen Aussagen von klein auf klar, dass er ins väterliche Unternehmen einsteigen will. Mittlerweile verantwortet er innerhalb der Geschäftsleitung die Bereiche Marketing und Vertrieb.

 

Mit seiner familieninternen Nachfolgeregelung ist das Unternehmen Hipp aus Pfaffenhofen bei Weitem nicht allein: „Bei 54 Prozent aller Unternehmensübergaben erfolgt die Übertragung an die Kinder der Inhaber“, erläutert Daniela Karbe-Geßler, Steuerexpertin beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK, siehe auch Interview unten). Laut einer Umfrage der staatlichen KfW Bankengruppe unter kleinen und mittelständischen Unternehmen gilt die familieninterne Übergabe für
29 Prozent der Firmenchefs sogar als die einzig denkbare Nachfolgelösung.

Langfristige Planung ist Pflicht

Auch für die familieninterne Nachfolge sollte wie bei der externen Nachfolge ein großzügiger Vorlauf kalkuliert werden. Die Experten des DIHK empfehlen, mindestens drei Jahre vor der geplanten Übergabe mit der Planung zu beginnen. So bleibt genug Zeit, um das Familienmitglied auf seine neuen Aufgaben vorzubereiten – oder auch beizeiten auf einen externen Nachfolger umzuschwenken. Denn nicht jedes Familienmitglied erweist sich im Übergabeprozess als geeignet, um tatsächlich an die Unternehmensspitze nachzurücken. Und mancher verliert, wenn es ernst wird, daran auch plötzlich das Interesse.

 

Erschwerend hinzu kam in den letzten Jahren die unklare Lage hinsichtlich der Erbschaftsteuerreform: Hier herrscht aufgrund der Neuregelung im vergangenen Jahr zwar mittlerweile Rechtssicherheit, „allerdings wird die Übergabe an die nächste Generation für viele Unternehmen teurer. Das erschwert Kindern zusätzlich die Übernahme des elterlichen Betriebs“, erläutert DIHK-Präsident Eric Schweitzer.

 

Einen Überblick über die wichtigsten Änderungen zur Neuregelung der Erbschaft- und Schenkungsteuer hat der Steuerfachverlag NWB zusammengestellt.

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„Die Übergabe an die nächste Generation wird für viele Unternehmen teurer.“

Dr. Eric Schweitzer, DIHK-Präsident

Dr. Eric Schweitzer, DIHK-Präsident

Bei diesen Unternehmen mischt die nächste Generation bereits mit

Nützliche Hilfestellung für die Vorbereitung und Durchführung der internen Firmenübergabe bietet die Plattform nachfolge-in-deutschland.de, für die ein Projektteam des Instituts für Entrepreneurship, Mittelstand und Familienunternehmen (EMF-Institut) der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin zahlreiche Informationen zusammengetragen hat. Teil des vom Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) geförderten Projekts ist der sogenannte Nachfolgefahrplan (siehe Grafik unten).

Der perfekte Nachfolgefahrplan

Welche Stationen sind für Senior-Unternehmer und ihre Nachfolger wichtig? Diese und andere Fragen beantwortet plakativ der Nachfolgefahrplan des Instituts für Entrepreneurship, Mittelstand und Familienunternehmen der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin. Die Grafik unten zeigt die Stationen für die interne Übergabe. Den vollständigen Nachfolgefahrplan können Sie hier kostenlos herunterladen.

Information & Bestandsaufnahme

Analyse & Strategie

Konzept & Geschäftsplan

Umsetzung & Übertragung

Übergabefähigkeit

Unternehmensbewertung

Rückzug planen

Zukunft gestalten

Übergabeform

Zielsetzung

Zielsetzung

Motivation

Qualifikation

Familiäres besprechen

Einstieg planen

Unternehmens-entwicklung

Zeitpunkt festlegen

Finanz-
bedarf

Recht-liches

Recht-liches

Einarbei-tung

Einarbei-tung

Nachfolge kommuni-zieren

Nachfolge kommuni-zieren

Finanz-
bedarf

Zeitpunkt festlegen

Wechsel vollziehen

Wechsel vollziehen

Übergabe

Die Stationen auf der blauen Linie sind für alle Personen wichtig, die ein Unternehmen in den nächsten Jahren übergeben wollen oder sich veranschaulichen wollen, an welcher Station im Nachfolgeprozess sie gerade stehen.

Interne Übernahme

Die graue Linie illustriert, welche Stationen durchlaufen  werden, um als Familienmitglied ein Unternehmen zu  übernehmen. Sie zeigt auch die vielen Verknüpfungspunkte  mit der abgebenden Generation, die gemeinsam geregelt werden sollten.

In 5 Schritten zur familieninternen Nachfolge

Der Ablauf der familieninternen Übergabe setzt sich aus 5 wesentlichen Schritten zusammen.

  • Schritt 1: Bestandsaufnahme in der Familie

    Zunächst sollte eine gründliche Bestandsaufnahme erfolgen: Wer eignet sich für die Nachfolge, welche Motivation bringen die Kandidaten mit? Welche Qualifikationen können sie bereits vorweisen, welche müssen noch erworben werden? Was muss in puncto Auszahlung an die anderen Familienmitglieder beachtet werden, wann soll die Übergabe erfolgen? Diese Fragen müssen im Familienkreis geklärt werden. Sollte sich herauskristallisieren, dass die Wunschkandidaten nicht alle Voraussetzungen für eine erfolgreiche Fortführung des Unternehmens mitbringen, muss auch die externe Nachfolge als Option geprüft werden (siehe Teil 1 unserer Serie).

  • Schritt 2: Die finanziellen Eckdaten ermitteln

    Um über die optimale Form der Übergabe entscheiden zu können, muss unter anderem der Wert des Unternehmens ermittelt werden – denn von dieser Summe hängt ab, in welcher Höhe möglicherweise Erbschaft- und Schenkungsteuer für die Beteiligten anfällt und mit welchen Beträgen Angehörige gegebenenfalls ausgezahlt werden müssen. Dann ist auch zu klären, wie sich die Auszahlung von Pflichtteilsansprüchen finanzieren lässt. Die Unternehmensnachfolgeinitiative nexxt des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie bietet Informationen zur Unternehmensbewertung und zu den verschiedenen Berechnungsmethoden. Mehr dazu lesen Sie hier.

  • Schritt 3: Die Übergabeformen prüfen

    Im nächsten Schritt gilt es, die erbschaft- und schenkungsteuerlichen Aspekte zu prüfen, um die optimale unter den folgenden Optionen für die Übergabe zu ermitteln:

    • (Schrittweise) Übertragung durch die Beteiligung an einer Personen- oder Kapitalgesellschaft

    • Vorweggenommene Erbfolge oder Schenkung

    • Gewillkürte Erbfolge über ein Testament oder einen Erbvertrag

    • Gesetzliche Erbfolge

    Hilfreich: Die Informationsplattform Anwalt.org bietet eine Checkliste zu den wichtigsten Stichpunkten für die Gestaltung der optimalen Übergabeform zum kostenlosen Download an.

  • Schritt 4: Verträge aufsetzen, Finanzierung klären

    Geht es um eine Nachfolgeregelung für eine Gesellschaft, reicht es nicht aus, die Nachfolge über ein Testament oder die gesetzliche Erbfolge zu regeln. Die Vereinbarungen müssen zudem auch in den Gesellschaftsvertrag einfließen, denn dieser hat gegebenenfalls Vorrang vor einer testamentarischen Regelung. Konkret: Nur, wer im Gesellschaftsvertrag für die Nachfolge vorgesehen ist, kann Gesellschafter werden – auch wenn im Testament andere Personen als Nachfolger benannt werden. Erfolgt die Übergabe über den Kauf des Unternehmens durch das nachfolgende Familienmitglied, muss die Finanzierung unter Dach und Fach gebracht werden.

  • Schritt 5: Nachfolger einarbeiten, Übergabe kommunizieren

    Auch wenn die Nachfolge vielleicht schon lange geklärt ist, braucht das nachfolgende Familienmitglied ausreichend Zeit, um sich in die Führungsposition einzuarbeiten. Dabei sollten sowohl die Mitarbeiter als auch die Führungsriege in den laufenden Prozess eingebunden werden. Gleiches gilt für die wichtigsten Geschäftspartner.

Umfassende Informationen zu den Formen der familieninternen Übergabe bieten die Websites nachfolgewiki.de und nachfolge-in-deutschland.de. Zahlreiche Informationen zum Thema bietet auch die vom BMWi herausgegebene Broschüre „Unternehmensnachfolge – die optimale Planung“.

Interview

Daniela Karbe-Geßler, Steuerexpertin beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK)

„Nachfolger brauchen Planungs- und Rechtssicherheit.“

Daniela Karbe-Geßler,
Steuerexpertin beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK)

  • Interview lesen

    Perspektiven: Was müssen Unternehmer, die den Stab innerhalb der Familie weitergeben wollen, in erbschaft- und schenkungsteuerlicher Hinsicht generell beachten?

     

    Daniela Karbe-Geßler: Grundsätzlich brauchen Nachfolger gerade zum Zeitpunkt der Übertragung Planungs- und Rechtssicherheit. Jede unentgeltliche Übertragung eines Unternehmens innerhalb der Familie muss daher auch steuerlich geprüft werden. Denn Übertragungen von Betriebsvermögen sind natürlich nicht per se steuerfrei. Vielmehr müssen die Erben oder Beschenkten über einen langen Zeitraum von bis zu 20 Jahren strenge Voraussetzungen erfüllen, damit die Finanzämter einen Verschonungsabschlag auf die Erbschaft- oder Schenkungsteuer gewähren. Die hierfür notwendigen Voraussetzungen – wie zum Beispiel Fristen, bis zu denen der übernommene Betrieb fortgeführt werden muss,  einzuhaltende Mindestlohnsummen oder der maximale Anteil liquider Mittel – sollten daher bereits im Vorfeld der Nachfolge geprüft werden. Nur so kann vermieden werden, dass es nach der Übertragung zu finanziellen Überraschungen kommt.

     

    Perspektiven: Seit Ende 2016 gelten für die Erbschaft- und Schenkungsteuer neue gesetzliche Regelungen. Welche Änderungen müssen Unternehmer nun möglicherweise berücksichtigen?

     

    Daniela Karbe-Geßler: Gänzlich neu ist ein Vorababschlag bei der Bewertung von Familienunternehmen. Dieser Abschlag wird aber lediglich dann gewährt, wenn die Nachfolger strenge Voraussetzungen erfüllen: Begrenzungen bei der Gewinnentnahme müssen zum Beispiel in den Gesellschaftsverträgen verankert sein und über einen Zeitraum von 20 Jahren nach der Übertragung eingehalten werden. Gerade diese komplexen Sachverhalte vor und nach der Übertragung erfordern eine intensive Planung der Nachfolge. Insbesondere der Verschonungsabschlag und die bei größeren Übertragungen – ab einem Wert eines übertragenen Anteils von 26 Mio. Euro – beim Erben durchzuführende Verschonungsbedarfsprüfung sind neu oder haben neue Voraussetzungen. Gleiches gilt auch für die über mehrere Jahre einzuhaltende Lohnsumme bei der Übertragung kleinerer Unternehmen.

     

    Perspektiven: Was müssen Unternehmer beachten, die bereits zuvor eine Nachfolgeregelung getroffen haben?

     

    Daniela Karbe-Geßler: Bereits erfolgte Übertragungen bis 30. Juni 2016 werden steuerlich nach den alten Regelungen behandelt. Für alle Übertragungen von Unternehmensvermögen ab 1. Juli 2016 hingegen greift die Neuregelung. Insofern müssen die bereits erfolgten Nachfolgeregelungen für Übertragungen ab diesem Zeitpunkt genau geprüft werden.

  • Bildnachweise

    DIHK (2), iStockphoto (Geber86)

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